Tinker Pferde – Vielseitig, zuverlässig und unerschrocken

von Lisa Bergmann, Lisa ist passionierte Tierliebhaberin und Biologin, teilt bei Animalio ihr Wissen über Tiere. Ihr Herz schlägt für die Haltung, Züchtung und Herkunft von Tieren, wobei sie anderen Tierfreunden Einblicke und wertvolle Infos bietet.

Was zeichnet die Pferderasse Tinker aus?

Häufig gescheckt, ein kleiner Bart am Maul und viele lange Haare an den Fesseln, der prächtigen Mähne und dem Schweif – unverkennbar: ein Tinker. Die Rasse hat ihren Ursprung in Irland, wo der Adel einfarbige Pferde bevorzugte und Schecken etwas abwertenden als Tinker bezeichnet wurden. Doch das fahrende Volk erkannte gleich die Vorzüge dieser einzigartigen Pferderasse und schätzte den verlässlichen Tinker-Charakter. Ursprünglich wurden die Pferde mit dem kräftigen Körperbau als Arbeitspferde und zum Ziehen von Wagen oder Kutschen eingesetzt. Sie haben einen eher kurzen Rücken, eine breite, abfallende Kruppe, einen quadratischen Kopf mit gerade bis leicht nach außen gewölbter Stirnlinie und einen kräftigen, langen Hals. Neben den bekannten Scheckfärbungen kommt der Tinker auch als Rappe, Brauner und Fuchs vor. Lange gab es aufgrund der Historie keine gezielte Zucht, erst 1998 entstand in Irland der Zuchtverband Irish Cob Society. Da waren die inzwischen sehr beliebten Pferde bei uns in Deutschland und in den Niederlanden schon als Tinker eingetragen.

Die irischen Tinker-Züchter führen die Pferde als Irish Cobs und die Tinker-Zucht unterscheidet nach drei Sektionen, da die Rasse in der Größe vom Pony bis zum Pferd variiert. In die Sektion C fallen die kleinsten Vertreter mit einem Stockmaß von 128 cm bis 148 cm. Kleinpferde ab einem Stockmaß von 149 cm bis 159 cm werden der Sektion B zugeordnet. Zu Sektion A gehören alle Pferde mit einer Widerristhöhe von 160 cm bis 170 cm. Die deutsche FN definiert die Tinker-Größe zwischen 135 cm und 160 cm Stockmaß und verwendet erst ab einem höheren Widerrist die Bezeichnung Irish Cob. Damit Tinker-Hengste für die Zucht mit einer Tinker-Stute zugelassen werden, müssen sei bei einer Tinker-Körung eine Prämierung erhalten.

Tinker Pferdemaehne

Was sind typische Tinker-Eigenschaften?

Natürlich hat jedes Pferd seinen einzigartigen Charakter, aber jede Rasse hat eine gewisse Tendenz in ihren Wesensmerkmalen. Häufig zeigt sich schon beim Tinker-Fohlen, wie gelassen und unerschrocken diese Rasse ist. Sie sind sehr zuverlässige Partner, die durch starke Nerven und einen freundlichen Charakter begeistern. Trotzdem sollte man sie nicht unterschätzen, da es sich auch um sehr charakterstarke Tiere handelt, brauchen viele von ihnen erfahrene und konsequente Reiter. Besonders, wenn es sich um aus Irland importierte Pferde handelt, die auf einer Tinker-Auktion gekauft wurden, weiß man nicht, welche Erfahrungen sie bei ihren vorherigen Besitzern gemacht haben.

Mit welchen Kosten muss ich bei der Tinker-Haltung rechnen?

Da Tinker aus einer kargen Landschaft kommen, sind sie gute Futterverwerter, so dass keine hohen Ausgaben für Pferdefutter zu erwarten sind. Die Kosten für die Unterbringung in einem Stall variieren sehr nach Standort und Ansprüchen an die Anlage. Ein einfacher Stall bietet günstigere Stallmieten an als ein großer Hof mit Reitplatz, Halle und gegebenenfalls noch Führmaschine. Ebenso hängen die Kosten für den Tierarzt vom Gesundheitszustand des Tinkers ab. Regelmäßige Kosten für den Tierarzt entstehen durch Impfungen, Wurmkuren und Zahnarzt. Wenn das Pferd viel auf Asphalt gehen soll, muss es außerdem etwa alle 8-10 Wochen neu beschlagen werden.

Die meisten Ställe verlangen, dass für eingestellten Pferd zumindest eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen wurde. Diese gibt es schon relativ günstig für zweistellige Beträge im Jahr. Es kann auch über den Abschluss einer privaten Krankenversicherung nachgedacht werden, da ein Aufenthalt in einer Pferdeklinik schnell teuer werden kann. Gebrauchte Ausrüstung für das Pferd kann kostengünstig erstanden werden. Der Sattel sollte aber von einem kompetenten Sattler an den Rücken des Tinkers angepasst werden.

Wie viel Zeit sollte ich für meinen Tinker haben?

Gerade am Anfang ist es entscheidend, viel Zeit mit dem neuen Pferd zu verbringen, damit eine gemeinsame Vertrauensbasis geschaffen werden kann. Aber Pferde sind auch Herdentiere und brauchen Artgenossen. Wenn der Tinker mit anderen Pferden zusammen steht und Platz zum Laufen hat, kann er auch einige Tage in der Woche „frei“ haben. Steht er allerdings in einer Box, ist Beschäftigung und Bewegung so oft wie möglich nötig, da Pferde auch Lauftiere sind.

Zwei Tinker Pferde

Was liebt die Pferderasse Tinker und was mag sie überhaupt nicht?

Viele Tinker mögen gerne Wasser und lassen sich gerne zu einem Bad in einem See oder Fluss überreden. Ansonsten zeichnet sich der Tinker durch seine Vielseitigkeit aus und freut sich über ausgedehnte Spaziergänge oder Ritte durch die Natur ebenso wie über eine Kutschenfahrt oder die Arbeit auf dem Reitplatz. Hier beweist er seine Intelligenz und seinen Lerneifer. Weniger geeignet ist die Rasse für das Springreiten. Tinker sind Spätentwickler und sollten möglichst erst ab einem Alter von 4 Jahren angeritten werden, um sie nicht zu überfordern.

Was sind typische Erkrankungen bei der Pferderasse Tinker?

Entgegen ihrer kräftigen Statur leidet die Rasse leider häufig unter keinem guten Rücken. Deswegen sind sie keine Gewichtsträger und sollten mit entsprechenden Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur unterstützt werden. Manche Tinker haben Probleme mit Kotwasser, weil sie nicht wie Robustpferde gefüttert werden. Auf zu satte Weiden können die Tiere außerdem mit Juckreiz reagieren.

Tinker in 3 Worten:

Vielseitig, zuverlässig, unerschrocken

Fazit

Tinker können in fast allen Farben vorkommen und sind vom Pony bis zum Pferd in allen Größen vertreten. Sie zeichnen sich durch einen starken Charakter, Gelassenheit und Lernbereitschaft aus.

© Bettina Kuß,Susanne Fritzsche,Talitha – stock.adobe.com

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Lisa Bergmann
Von klein auf war ich fasziniert von der vielfältigen Welt der Tiere. Während meines Studiums habe ich mein Wissen und meine Leidenschaft für Tiere vertieft. Bei Animalio teile ich meine Erkenntnisse über Haltung, Züchtung und Herkunft verschiedener Tierarten. Mein Ziel ist es, die Einzigartigkeit und Schönheit aller Tiere hervorzuheben und anderen Tierliebhabern wertvolle Informationen zu bieten.

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